Im Jahr 2025 wurden in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Belgien erneut zehntausende Fahrzeuge gestohlen. Wer sind die größten Opfer? Wie gehen die Täter vor? Und: Welche Rolle spielt der Autotransport? Wohin verschwinden die Fahrzeuge? Eine länderübergreifende Analyse mit einer Übersicht der Top 10 der meistgestohlenen Modelle.
Autodiebstahl in Europa: Vom Gelegenheitsdelikt zur international organisierten Bandenkriminalität
Autodiebstahl bleibt auch im Jahr 2025 ein beständiges und somir hartnäckiges Problem. Längst handelt es sich dabei nicht mehr um das Werk einzelner Gelegenheitsdiebe.
Stattdessen agieren gut organisierte kriminelle Netzwerke, welche die Fahrzeuge binnen Minuten entwenden, manipulieren und sofort weitertransportieren – oft nahezu spurlos.
Ein Wagen, der abends noch am Straßenrand stand, kann am nächsten Morgen bereits auf dem Weg nach Westafrika oder Osteuropa sein – in Stundenschnelle!
In diesem Beitrag beleuchten wir vier europäische Länder näher: Deutschland, Frankreich, die Niederlande und Belgien.
Wir analysieren die Vorgehensweisen der Täter, listen besonders betroffene Fahrzeugmodelle auf, zeigen die Rolle logistischer Knotenpunkte sowie das weitere Schicksal der gestohlenen Fahrzeuge.
Deutschland: Hochpreisige Fahrzeuge und ihre Routen nach Osteuropa und Übersee
Lagebild 2025
Mit jährlich rund 14.000 gestohlenen Fahrzeugen bleibt Deutschland ein attraktives Ziel für organisierte kriminelle Netzwerke. Besonders häufig verschwinden hochpreisige SUV`s und Limousinen in Richtung Polen, Litauen. Auch Asien oder Afrika sind allseits beliebte Ziele. In Hamburg wurde bereits 2024 ein organisiertes Netzwerk zerschlagen, welches begehrte Land-Rover-Modelle sowie Porsche Macan systematisch nach Litauen schmuggelte.
(source: digitpol.com)
Top 10 der meistgestohlenen Autos in Deutschland
Toyota Land Cruiser
Lexus (Toyota) NX
Lexus (Toyota) UX
Range Rover (verschiedene Modelle, Sport)
Toyota RAV4
Kia Stinger
Hyundai Santa Fe
Jeep Grand Cherokee
Porsche 911
BMW X6
Was passiert mit den begehrten gestohlenen Fahrzeugen?
Der Abtransport erfolgt häufig auf dem Landweg nach Osteuropa. Daneben existieren etablierte Seewege: Über die Häfen Hamburg und Bremerhaven verschwinden Fahrzeuge in Containern nach Thailand, in die Golfstaaten oder nach Nordafrika. Deutsche SUV`s genießen international hohes Ansehen, was die Preise auf dem Schwarzmarkt entsprechend in die Höhe treibt und die Begehrtheit anfeuert.
Frankreich: Hafenstädte als Knotenpunkte des organisierten Autodiebstahls
Lagebild 2025
Frankreich verzeichnete bereits im Jahr 2024 mehr als 140.000 Fahrzeugdiebstähle. Die Täter konzentrieren sich vor allem auf Regionen entlang bedeutender Handels- und Transportrouten.
Marseille führt die Statistik an, gefolgt von Lyon und Lille. Französische Modelle sind besonders begehrt: Sie lassen sich leicht weiterveräußern und erzielen eine hohe Nachfrage auf dem Ersatzteilmarkt.
Die 10 meistgestohlenen Autos in Frankreich
Renault Clio V
Toyota RAV4
Peugeot 208 II
Lexus NX
Renault Captur
DS 7 Crossback
Toyota C-HR
Fiat 500
Peugeot 3008
Volkswagen Golf VIII
Was passiert mit den gestohlenen Fahrzeugen?
Über die Häfen von Le Havre, Marseille und Antwerpen gelangen zahlreiche Fahrzeuge nach Senegal, Ghana und Gambia. Andere werden über Spanien nach Marokko oder Algerien transportiert. Im Jahr 2025 deckte die Polizei in Paris ein Netzwerk auf, das Dutzende SUV`s entwendete und über Antwerpen nach Westafrika verschiffte.
Niederlande: Digitale Schwachstellen und der Export gestohlener Fahrzeuge nach Westafrika
Lagebild 2025
In den Niederlanden stieg die Zahl der Autodiebstähle 2025 um 12 Prozent auf 7.497 entwendete Personenkraftwagen. Besonders anfällig zeigten sich moderne Fahrzeuge mit schlüssellosem Zugangssystem. Der Toyota RAV4 war bereits im dritten Jahr in Folge das am häufigsten gestohlene Modell. Die niederländische Stiftung “Stichting Verzekeringsbureau Voertuigcriminaliteit (VbV)” erklärt:
„Ein erheblicher Teil dieser Fahrzeuge landet in Ghana, das als logistisches Tor nach Gabun, an die Elfenbeinküste und nach Nigeria fungiert.“
Top 10 der meistgestohlenen Autos in den Niederlanden
Toyota RAV4
Kia Sportage
Fiat 500
Volkswagen Polo VI
Toyota C-HR
Volkswagen Golf VIII
Mercedes-Benz A-Klasse
Toyota Yaris Cross
Toyota Corolla Cross
Renault Captur
Was passiert mit den gestohlenen Fahrzeugen?
Ein erheblicher Teil der Fahrzeuge wird in Containern nach Westafrika verschifft, vor allem über die Häfen von Rotterdam und Antwerpen. Allein im Jahr 2025 wurden in Ghana 126 Fahrzeuge mit aktiven Ortungssystemen entdeckt. Andere Wagen werden zerlegt und als Ersatzteile in osteuropäischen Märkten weiterverkauft. Insgesamt tauchten 913 in den Niederlanden gestohlene Fahrzeuge im Ausland wieder auf.
Lesen Sie mehr Hintergrundinformationen über den “Keyless-Diebstahl des RAV4” und andere digitale fahrzeugtechnische Schwachstellen.
Belgien: Transitland im europäischen Diebstahlsnetzwerk
Lagebild 2025
In Belgien wurden mehr als 5.800 Autodiebstähle registriert. Die besondere Rolle des Landes liegt jedoch weniger in der Zahl der Taten als in seiner Funktion als Transitland. In Ostflandern entdeckte die Polizei eine Lagerhalle mit gestohlenen Fahrzeugen aus Frankreich und den Niederlanden. Der Hafen von Antwerpen erweist sich dabei immer wieder als zentrales Sprungbrett für den Export.
Die 10 meistgestohlenen Autos in Belgien
Volkswagen Golf
Volkswagen Polo
Toyota RAV4
Renault Clio
Opel Corsa
Ford Fiesta
Citroën Berlingo
Mercedes-Benz Sprinter
Renault Mégane
Citroën C3
Was passiert mit den gestohlenen Fahrzeugen?
Viele Fahrzeuge werden für den Versand über Antwerpen nach Senegal und Gambia vorbereitet. Im Jahr 2025 konnten 60 gestohlene Fahrzeuge abgefangen werden, bevor sie in Containern verschwanden. Andere Autos gelangen über Spanien nach Nordafrika oder tauchen in osteuropäischen Absatznetzwerken unter.
Autotransport und organisierter Diebstahl: Risiken an den Schnittstellen
Die Bedeutung des professionellen Autotransports für organisierten Autodiebstahl ist insgesamt gering. Dennoch sind bestimmte Touchpoints rund um den Transport besonders sensibel. Nicht während der Fahrt, sondern bei Übergaben wie dem Be- und Entladen, oder wenn Fahrzeuge kurzfristig unbeaufsichtigt stehen und mehrere Parteien involviert sind. Kriminelle Netzwerke versuchen gezielt solche Momente auszunutzen, etwa durch Unklarheiten bei Dokumenten, Schlüsseln oder Eigentumsverhältnissen.
Professionelle Transportunternehmen begegnen diesem Risiko mit klar definierten Sicherheitsverfahren: strenge Überprüfung von Spediteuren und Fahrern, standardisierte Übergabeprotokolle, eindeutige Fahrzeugidentifikation sowie kontinuierliche Prozessüberwachung. Dadurch lässt sich das Diebstahlrisiko in diesen kritischen Phasen erheblich reduzieren.
Fazit: Ein europäisches Verbrechensmodell mit globaler Reichweite
Die Daten aus dem Jahr 2025 bestätigen, was Experten seit Jahren beobachten: Autodiebstahl ist kein lokales Phänomen, sondern eine international organisierte Industrie. Kriminelle Netzwerke agieren gezielt und wissen genau, welche Modelle gefragt sind. Besonders SUV`s wie der Toyota RAV4, der Land Cruiser oder der Peugeot 3008 verschwinden schnell – und oft dauerhaft.
Die Logistik hinter den Diebstählen ist professionell und effizient. Über Antwerpen oder Marseille gelangen Fahrzeuge nach Afrika, über Polen und Litauen weiter in Richtung Osteuropa, Russland oder Asien. Was als scheinbar banaler Diebstahl im öffentlichen Raum beginnt, endet nicht selten in einem Container auf einem anderen Kontinent.
Für Autobesitzer, Händler und Leasinggesellschaften bedeutet dies, dass Prävention weit über einen ausgeklügelten Schließmechanismus hinausgehen muss. Erforderlich sind Wachsamkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette, technische Überwachung und grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Denn wer den Tätern einen Schritt voraus sein will, muss ihre Methoden verstehen.
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