Der europäische Gebrauchtwagenmarkt erlebte 2025 ein bemerkenswertes Jahr.
Nach Jahren massiven Verwerfungen infolge der „Coronavirus-Pandemie“, der globalen Chipknappheit und anhaltender Lieferkettenprobleme stabilisiert sich der Markt spürbar, allerdings auf einem anderen Niveau als vor der Krise.
In vielen Ländern ist eine Erholung zu beobachten, deren Tempo und Ausprägung jedoch stark differenzieren. Während einige diverse Märkte neue Rekordwerte erreichen, suchen andere noch nach einem neuen Gleichgewicht.
Veränderungen im Kaufverhalten, Nachfrage-Schwankungen im Gebrauchtwagenmarkt sowie in automobilen Vertriebskanälen prägen den Markt neu.
Kaufinteressenten müssen sich an dauerhaft höhere Preise und ein begrenztes Angebot junger Gebrauchtwagen anpassen.
Wichtige Erkenntnisse
- Die europäischen Märkte zeigen sich hier uneins: Während die Niederlande einen neuen Allzeit-Rekord erreichten, bleiben Deutschland und Frankreich deutlich unter ihren Absatz-Höchstständen vor der Pandemie.
- Der Verkauf von Privat an Privat: Dieses Modell gewinnt zunehmend in Frankreich zunehmend an Bedeutung: Hier wird das Marktwachstum ausschließlich durch Verbraucher getragen, die untereinander ältere Fahrzeuge handeln.
- Der Gebrauchtwagenbestand altert: Der anhaltende Mangel an jungen Gebrauchtwagen zwingt viele Käufer zum Umstieg auf ältere Fahrzeuge, eine verzögerte Folge der schwachen Neuwagenverkäufe während der Pandemiejahre.
- Die Preise bleiben strukturell hoch: vor allem in Deutschland. Hier halten die Folgen der Inflation sowie ein wachsender Anteil gut ausgestatteter und elektrifizierter Gebrauchtwagen die Durchschnittspreise hoch.
- Die Digitalisierung verändert den Markt: Länder wie die Niederlande, Belgien und Dänemark profitieren von fortschrittlichen Online-Verkaufsplattformen und datengestützten Vertriebskanälen.
Der große Trend: Fahrzeugkauf von „Privat zu Privat“
In ganz Europa war 2025 ein Jahr der vorsichtigen Erholung. Der Markt hat sich von den gravierendsten Einschnitten der Pandemie erholt, doch nicht alle Länder haben ihr früheres Volumen wieder erreicht.
Auffällig ist das kräftige Wachstum privater Verkäufe zwischen Verbrauchern, während professionelle Händler in einigen Märkten rückläufige Absatzzahlen verzeichneten.
Gleichzeitig stieg das Durchschnittsalter der verkauften Gebrauchtwagen. Angesichts eingeschränkter Erschwinglichkeit und des Mangels an jungen Fahrzeugen entscheiden sich Käufer zunehmend für ältere Modelle, eine direkte Folge der schwachen Neuwagenverkäufe zwischen 2020 und 2022.
Hier die relevantestesten Zahlen der GW-Verkäufe:
Hier präsentieren wir die Gesamtverkäufe von Gebrauchtwagen nach Ländern sowie das Wachstum im Vergleich zu 2024:
| Land | 2024 | 2025 | Wachstum |
|---|---|---|---|
| Deutschland | 6.480.000 | 6.510.000 | +0,5 % |
| Frankreich | 5.353.000 | 5.396.000 | +0,8 % |
| Niederlande | 2.044.000 | 2.120.000 | +3,7 % |
Deutschland: Stabilisierung auf hohem Marktniveau
Der deutsche Gebrauchtwagenmarkt verzeichnete 2025 ein stabiles Jahr mit rund 6,51 Millionen verkauften Fahrzeugen, was einem leichten Anstieg von 0,5 % gegenüber 2024 entspricht.
Damit setzte sich die Erholung nach dem kräftigen Wachstum von 7,4 % im Jahr 2024 fort, welches der Markt den pandemiebedingten Einbruch teilweise wettmachte.
Dennoch liegt das Transaktionsvolumen weiterhin rund zehn Prozent unter dem Vorkrisenniveau mit mehr als 7,2 Millionen Verkäufen pro Jahr.
Auffällig bleibt das anhaltend hohe Preisniveau.
Der durchschnittliche Angebotspreis lag bei rund 27.800 Euro und damit um 34,5 % über dem durchschnittlichen Angebotspreis von 2019. Dieser Anstieg ist nicht allein inflationsbedingt, sondern spiegelt auch den wachsenden Anteil gut ausgestatteter sowie zunehmend elektrifizierter Gebrauchtwagen wider, insbesondere batterieelektrischer Modelle, die vermehrt aus Kurzzeitleasingverträgen auf den Markt kommen.
Trotz dieser Entwicklung bleibt der deutsche Markt klar von privaten Käufern geprägt. Schätzungsweise rund 93 % aller Verkäufe erfolgen außerhalb des klassischen Handels.
Der Volkswagen Golf behauptete erneut seine Position als meistverkauftes Gebrauchtfahrzeug. Insgesamt dominieren deutsche Marken weiterhin die Top 10, von Audi und BMW bis hin zu Opel.
Die 10 meistverkauften Gebrauchtwagen in Deutschland im Jahr 2025
| # | Modell | Verkäufe | Wachstum |
|---|---|---|---|
| 1 | Volkswagen Golf | 425.000 | +1,2 % |
| 2 | Audi A6 | 285.000 | +0,9 % |
| 3 | Audi A4 | 268.000 | +1,5 % |
| 4 | VW Tiguan | 245.000 | +3,2 % |
| 5 | VW Passat Kombi | 228.000 | +0,7 % |
| 6 | BMW 3er | 215.000 | +2,1 % |
| 7 | VW Touran | 198.000 | +1,8 % |
| 8 | Opel Astra | 186.000 | +0,5 % |
| 9 | Mercedes C-Klasse | 175.000 | +1,4 % |
| 10 | Opel Corsa | 168.000 | +2,8 % |
Frankreich: Markterholung durch private Fahrzeugverkäufe
In Frankreich wechselten 2025 rund 5,396 Millionen Gebrauchtwagen den Besitzer, ein moderater Anstieg von 0,8 %, der den Markt wieder nahe an seinen historischen Höchststand von 2019 heranführt.
Nahezu das gesamte Wachstum ging auf Verkäufe von Privatpersonen an Privatpersonen zurück, die um 13 bis 14 % auf fast drei Millionen Transaktionen zulegten. Demgegenüber sanken die Verkäufe von gewerblichen Händlern an Verbraucher um rund zwei Prozent.
Diese Verschiebung verdeutlicht, wie französische Konsumenten auf den Mangel an jungen Gebrauchtwagen reagieren.
Da neuere Fahrzeuge nur begrenzt verfügbar sind, handeln Käufer zunehmend ältere Modelle untereinander.
Fahrzeuge mit einem Alter von mehr als 15 Jahren machten rund 27 bis 28 % aller Verkäufe aus und verzeichneten ein zweistelliges Wachstum.
Der Renault Clio behauptete mit mehr als 356.000 Verkäufen seine Spitzenposition, gefolgt vom Citroën C3 und dem Peugeot 208. Französische Marken kamen zusammen auf einen Marktanteil von 47 %.
Auch gebrauchte Elektrofahrzeuge gewinnen an Bedeutung: Ihre Verkäufe stiegen um rund 30 % auf knapp 178.000 Einheiten. Dennoch bleibt ihr Marktanteil mit rund drei bis vier Prozent weiterhin vergleichsweise gering.
Die 10 meistverkauften Gebrauchtwagen in Frankreich im Jahr 2025
| # | Modell | Verkäufe | Wachstum |
|---|---|---|---|
| 1 | Renault Clio | 356.657 | +1,9 % |
| 2 | Citroën C3 | 174.581 | −0,5 % |
| 3 | Peugeot 208 | 173.337 | +1,4 % |
| 4 | Volkswagen Golf | 133.000 | +0,8 % |
| 5 | Renault Mégane | 125.400 | −1,2 % |
| 6 | Peugeot 308 | 118.200 | +2,1 % |
| 7 | Renault Captur | 112.800 | +3,5 % |
| 8 | Citroën C4 | 98.500 | +1,8 % |
| 9 | Peugeot 3008 | 94.300 | +4,2 % |
| 10 | Dacia Sandero | 88.700 | +5,6 % |
Niederlande: Ein Rekordjahr übertrifft alle Erwartungen
Die Niederlande erlebten 2025 ein außergewöhnliches Jahr mit mehr als 2,12 Millionen verkauften Gebrauchtwagen.
Laut dem Branchenverband BOVAG entspricht dies einem Anstieg von 3,7 % und markiert einen neuen Allzeitrekord. Damit heben sich die Niederlande deutlich von Deutschland und Frankreich ab, die weiterhin unter ihren früheren Höchstständen liegen.
Niederländische Verbraucher profitierten von einem verbesserten Angebot und entschieden sich weiterhin bevorzugt für Gebrauchtwagen, nicht zuletzt aufgrund der anhaltend hohen Neuwagenpreise.
Die Rekordzahlen unterstreichen die zentrale Bedeutung des Gebrauchtwagenmarktes innerhalb des niederländischen Automobilsektors.
Belgien und Dänemark: Digitale Vorreiter mit starken Märkten
Obwohl Belgien und Dänemark in den verfügbaren Daten zum Gebrauchtwagenvolumen weniger umfassend erfasst sind, fügen sich ihre Entwicklungen schlüssig in das europäische Gesamtbild ein.
Beide Länder gelten als digitale Vorreiter mit einer ausgeprägten Innovationskultur, die sich auch im Automobilhandel widerspiegelt. In Dänemark nutzen 28 % der Unternehmen KI-Technologie, der höchste Anteil in der EU, was das Wachstum fortschrittlicher Online-Verkaufsplattformen antreibt und effizientere Handelsprozesse begünstigt.
Belgien investiert mit 3,4 % des BIP stark in Forschung und Entwicklung und verfügt über einen robusten Automobilsektor, der auch den Gebrauchtwagenmarkt nachhaltig stützt.
Fazit: Der Markt im starken Wandel der Zeit
Der europäische Gebrauchtwagenmarkt präsentiert sich 2025 vielschichtig und erlebt einen enormen Umbruch.
Deutschland stabilisiert sich auf einem hohen Preisniveau, bleibt jedoch unter seinen früheren Volumina.
Frankreich erholt sich vor allem dank eines dynamischen privaten Handels mit älteren Fahrzeugen.
Die Niederlande setzen mit günstigen Rahmenbedingungen und starker Nachfrage neue Rekordmarken und in kleineren, digital fortgeschrittenen Märkten wie Belgien und Dänemark entstehen neue Handelsformen.
Eines ist in allen Ländern klar zu ersehen: Gebrauchtwagen sind längst nicht mehr nur eine zweite Wahl, sondern haben sich zu einem „boomenden“ zentralen Pfeiler im europäischen Automarkt entwickelt.